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„Make Eichstätt great again“: Gaudi mit Zugabe beim Eichstätter Starkbieranstich

Bockbierfest in zehnter Auflage mit vielen Neuerungen und in Überlänge

Eichstätt. – Es war ein launiger Abend in chaotischen Zeiten globalen Aufruhrs. Da tut es doch gut, einmal unbeschwert lachen zu können – wie an den vergangenen beiden Abenden beim Eichstätter Starkbieranstich. Nach dem offiziellen Anzapfen des Faßes mit dem typisch dunklen, würzig-starken „Alligator“-Sud aus den Kesseln der Eichstätter Hofmühlbrauerei konnte es losgehen mit dem „Derblecken“ – unter neuer Führung, mit einigen Jubiläen und Neuerungen sowie etwas Überlänge. Ein wenig vom weltweiten Chaos war dann aber doch dabei: Da mussten viele Besucher sich schon die Augen reiben: War das Donald Trump persönlich, der da den Saal betrat? Nicht ganz, aber eine Art Trump’sche Machtübernahme kündigte auch sein historisches Eichstätter Pendant an: der Schlossleutnant Krach.

Ein Prosit des gemütlichen Derbleckens gab es beim Starkbieranstich mit (von links): Moderator Dirk Lina, Landrat Alexander Anetsberger, Gastronom Andreas Kellner und Bräu Stephan Emslander. Fotos: Zengerle

Willi Eisenhart marschierte ein in der Krach-typischen Militäruniform und ließ sich mit Trump-artigen Gesten feiern. So wie Lorenz Krach der Legende nach mit einer kleinen Truppe Soldaten auf der Willibaldsburg das übermächtige französische Heer austrickste, so sah er sich offenbar nun auch in der Pflicht, seine Stadt in schwierigen Zeiten wieder zu alter, beziehungsweise ganz neuer, „nie dagewesener Stärke“ zu führen. Oder anders gesagt: „Make Eichstätt great again“, so stand es auch auf seinem im typischen Trump-Stil gehaltenen Baseball-Cap. „MEGA“ statt „MAGA“ quasi. Die blonde Perücke durfte auch nicht fehlen – und so war die Ähnlichkeit schon rein äußerlich beinahe perfekt. Dabei brauchte der „Eichstätter Trump“ auch gar keine Wahlen zu gewinnen: Nachdem Oberbürgermeister Josef Grienberger ins Kabinett von Bald-Bundeskanzler Friedrich Merz berufen worden sei, habe er nun das Eichstätter Rathaus übernommen, verkündete Willi Eisenhart in seiner Paraderolle als Schlossleutnant – die blaue Uniform mit Gold- und Rottönen hätte sicher auch Trump gefallen.

„Eichstätt first!“

„MEGA“ statt „MAGA“: Willi Eisenhart gab als Schlossleutnant Krach den „Eichstätter Trump“.

Im Stile des großmannssüchtigen amerikanischen Präsidenten unterschrieb der Schlossleutnant in krakeliger Schrift auf der Bühne Dekret nach Dekret und verkündete, was sich auf dem Weg zur Greatness so alles ändern müsse: Hochwasser wie in jüngster Zeit unter anderem im Eichstätter Ortsteil Landershofen: ab jetzt verboten! Was für Trump Kanada und Grönland sind, ist für Krach das Eichstätter Umland: Pollenfeld mit dem Preither Gewerbegebiet, Schernfeld mit der Kletterhalle und Titting mit seinen ergiebigen Kalksteinbrüchen würden sofort übernommen und eingemeindet. Ebenso Pietenfeld. „Wieso eigentlich Pietenfeld?“, fragte sich Krach dann zum Amüsement des Saals selbst. Egal, auch Pietenfeld! Ochsenfeld mit seiner Hüll auch. Dort werde eine neue Riviera des Südens entstehen, so Trump… ähhh… Krach. Und Obereichstätt werde man endlich aus den Fängen Dollnsteins entreißen und die Kunstwerke des dortigen Alf-Lechner-Anwesens endlich entrosten: „Make Eichstätt great again“ also auch in Sachen Kultur und Bildungswesen. Im Straßenverkehr auch: weg mit der Promillegrenze – zumindest nach dem Genuss von Hofmühl-Bier! Dazu Applaus und das nächste Dekret: „Ich werde die Sparkasse den Schanzern entreißen“, so die klare Ansage – passend zu seinem Motto „Eichstätt first!“ – „Eichstätt zuerst!“.

Und die Gastronomie werde endlich wieder bayerisch: Statt Restaurants mit „Südvietnamesen und Nordvietnamesen“ oder Speisen aus „Vorder- und Hinterindien“ werde man dem ehemaligen Krone-Wirt Dieter Schaller eine Verjüngungskur verpassen, ihn reaktivieren und wieder heimische Kulinarik anbieten. Dazu komme endlich eine Blühwiese auf dem Residenzplatz – mit ein paar Cannabispflanzen dazwischen, „damit’s den zahlreichen Sozialpädagogen ned langweilig werd“ – so viel Kompromiss muss dann offenbar doch sein. Und auch für die anwesende Geistlichkeit wie etwa Generalvikar Michael Alberter hatte er einen Tipp: Mit seinem guten Draht zu Trump könne er da sicher einen Deal machen, um wenigstens ein bisschen des dort verspekulierten Geldes des Bistums wiederholen und in die verlotterte Jugend investieren.

Eichstätter seien schon immer „Entdecker, Erbauer, Pioniere“ – und vielleicht Eroberer und anderes mehr: Die Stadt werde endlich wieder ihren Platz als großartigste aller Städte einnehmen, so Eisenhart als Krach, der zahlreiche Lacher erntete – wobei manchem angesichts so einiger nicht nur verbalen Parallelen zu geopolitischen Realitäten das Lachen an manchen Stellen im Halse stecken blieb. Trotzdem: ein schaurig-schönes Stück Unterhaltung, das den Starkbieranstich ausmacht. Es war zu späterer Stunde einer der Höhepunkte – und irgendwie gleichzeitig Neuerung und Kontinuität zugleich: Zwar war der bisherige Stammgast auf dem Bockbierfestpodium, Julius Beck in seiner Rolle als „Stadttürmer“, diesmal nur als Gast im Publikum – mit Eisenhart aber dennoch ein Eichstätter Original ähnlichen Kalibers in einer ebenso bekannten und gleichfalls humorigen wie auch bisweilen mahnenden Rolle als Protagonist dabei.

Gastgeberduo: Stephan Emslander und Andreas Kellner bei der Begrüßung.

Auch ansonsten war vieles anders, aber auch gleich: Die Bayern-Hymne etwa durfte wie in den letzten Jahren nicht fehlen. Diesmal aber wurde sie gleich zu Beginn gesungen und von der Eichstätter Stadtkapelle um Stadtkapellmeister Markus Beck untermalt, die in diesem Jahr ebenso ihr 40-jähriges Jubiläum feiert und auf der Bühne aufspielte. Neu war auch die Organisation: Nachdem Initiator Adalbert Lina im Vorjahr seinen Rückzug angekündigt hatte, hat in diesem Jahr neben der Brauerei Hofmühl das Gastronomieteam um Andreas und Daniela Kellner die Organisation übernommen – die in diesem Jahr ebenfalls ein Jubiläum feiern: Zehn Jahre sorgt das Kellner-Team inzwischen für eine reibungslose Bewirtung im „Asthe“ – so auch beim Starkbieranstich, bei dem erstmals Andreas Kellner gemeinsam mit Bräu Stephan Emslander die Gäste begrüßte.

Nach einem „Nach-Schlag“ von Landrat Alexander Anetsberger war das Fass Alligator „o’zapft“.

Die erste „Zugabe“ der besonderen Art gab es diesmal auch schon zu Beginn: Denn Landrat Alexander Anetsberger hatte beim Anzapfen des Alligator-Faßes bereits „O’zapft is!“ vermeldet – nur um dann festzustellen, dass der würzige Bock doch noch nicht floss. Also noch einmal ein „Nachschlag“ und nach insgesamt einem halben Dutzend Schläge füllten sich die Steingut-Krüge und es durfte angestoßen und anschließend derbleckt werden.

„Kreisstadt ohne Kreißsaal“

Den Anfang machte Adi Metz, der schon in den vergangenen Jahren mit dabei war – diesmal allerdings in ganz neuer Rolle und mit Flügeln: Als eine Art Eichstätter Version des Münchners im Himmel sorgte er als bayerischer Reporter-Engel Ambrosius per Telefon für den direkten Draht in den Himmel und berichtete dem himmlischen Oberaufseher, einem gewissen „Cyprianus“ oder auch „Zipperl“, über die irdischen Zustände in Eichstätt, der „Kreisstadt schlechthin – auch wenn’s bald kein Kreißsaal mehr ham“. Karl Lauterbachs Krankenhausreform habe beim Landrat inzwischen für graue Haare gesorgt. Vieles liege hier im Tal im Argen, aber immerhin habe wohl die großzügig erweiterte Semmeltaste für eine inflationäre Ausbreitung von Bäckereien gesorgt, so Ambrosius.

Da hilft nur ein Schluck Bock: Reporter-Engel Ambrosius (Adi Metz) hatte bei seinem Bericht in den Himmel allerhand Sorgenvolles zu vermelden – Mona Emslander, Juniorchefin der Brauerei Hofmühl, hatte in ihrer Gastrolle dennoch gut lachen.

Apropos Tallage: Irgendwie sei es schon auffällig, dass oben auf der Jura-Hochfläche die Bürgermeister fast alle von den Freien Wähler stammten, während im Tal drunten die CSU regiere, stellte Ambrosius fest und begrüßte die anwesenden Bürgermeister Andreas Brigl (CSU, Titting), Richard Mittl (CSU, Mörnsheim), Roland Schermer (CSU, Walting), Wolfgang Roßkopf (CSU, Dollnstein), Helmut Schloderer (FW, Beilngries) und Wolfgang Wechsler (FW, Pollenfeld). Immerhin stammt der Eichstätter OB Grienberger selbst von der Hochfläche aus dem Ortsteil Wintershof und regiert unten im Tal – so gesehen habe er wohl bei der anstehenden Neuwahl wohl schon gar keinen Gegenkandidaten mehr, mutmaßte der Reporter-Engel. Na ja, außer die Martin Edl trete an – und die wäre dann ja von den Freien Wählern – und trotzdem aus dem Tal.

Jesuskind divers und Krippe ein Schwarzbau

Aber im Vergleich zur geopolitischen Lage, sei man hierzulande ja immer noch im Tal der Glückseligen, wie Ambrosius in ernsten Tönen feststellte: „Die Erde dreht sich nimmer – die kippt“, warnte er und schob einige gereimte Verse hinterher: „Die Welt steht schief und sie hat Fieber“ schließlich werde sie von „Psychopathen“ regiert – „Die sind von einem anderen Kaliber“. „Wer alles hat, der scheißt auf die Welt – und das, was sie zusammenhält!“ Bei solchen Themen wurde es durchaus ein wenig stiller und ernster im Saal. Ambrosius war offenbar grantig und rechnete in seinem Bericht nach oben schonungslos ab mit Zeit und Zeitgeist: Die Weihnachtskrippe etwa habe keine Zukunft mehr: Ochs und Esel würden aus Gründen des Tierschutzes aus der Krippe entfernt, Maria vielleicht wegen Frauenrechten, Josef als Zimmermann aus Gewerkschaftsgründen, das Jesuskind in der Krippe habe sich noch nicht für ein Geschlecht entschieden und sei vielleicht „divers“, und die Heiligen drei Könige seien schließlich Migranten und müssten wahlweise wegen Diskriminierung oder kultureller Aneignung verschwinden. Das Stroh im Stall verstoße gegen die Brandschutzverordnung, das Gebäude selbst sei unbewohnbar und müsse als Schwarzbau sowieso abgerissen werden.

Es war ein Parforceritt mit einigen Längen des himmlichen Grantlers, der lieber wie der Münchner im Himmel seinem Anfangsmotto treu geblieben und zur Beruhigung himmlisches Manna getrunken hätte. Apropos: „Was haben eine Mass Bier und die heilige Jungfrau Maria gemeinsam? Beide unterliegen dem Reinheitsgebot!“, wie er feststellte – na dann Prost!

„Freundlicher geht es in der Oberpfalz leider nicht“

Dann eine weitere Neuerung: Was würde denn schon im Sinne der Völkerverständigung einem oberbayerischen Bockbierfest auf ehemals fürstbischöflichem und später mittelfränkischem Gebiet denn besser zu Gesicht stehen als ein wenig oberpfälzer Höflichkeit und Freundlichkeit? Und so legte mit „Schmarrnkerl und Funkerl“ (sprich: Schmankerl und Fankerl) erstmals ein Oberpfälzer Musikerduo auf der Bockbierfestbühne in der „weltoffenen Stadt Eichstätt“ gleich im ersten Refrain höflich los: „Hoids enga Fotzn, gebt’s enga Ruhou – mia san etz dou!“ („Haltet den Mund, gebt jetzt Ruhe – wir sind jetzt da!“) – „freundlicher geht es in der Oberpfalz leider nicht“, stellten die beiden kongenialen Gaudimusiker erst entschuldigend fest und begeisterten anschließend ihr Publikum mit ihrer Musik, launigen Reimen, bisweilen schon fast bayerischem Sprechgesang – und so mancher Lebensweisheit: „Du kannst ned beides ham: A fett’s Weib und Platz im Bett“.

Eine echte Bereicherung mit oberpäflzischem Humor und Dialekt waren die Gaudimusiker „Schmarrnkerl & Funkerl“.

Im Lied „13 Hoibe“ bewiesen sie Strophe für Strophe, wie man sich so ziemlich alles „schönsaufen kann“ (Von „Is die greislich!“ über „so greislich is die gar ned“ bis „Konnst ned bleiben heit Nacht?“). Und natürlich viel bayerischem Derblecken mit Lokalkolorit für die regionale Politprominenz und ihre Tricks: Weil Mörnsheim so hässlich sei, habe Bürgermeister Richard Mittl etwa zur Aufwertung einfach den Lammauftrieb erfunden, und der Dollnsteiner Bürgermeister Wolfgang Roßkopf wende im Gemeinderat schon beinahe eine Meditationstechnik an: Er spreche einfach so langsam und rhytmisch „bis auch der letzte Gemeinderat eingenickt is“. Sein Waltinger Kollege Roland Schermer dagegen sei schon dankbar, das er im katholischen Eichstätt überhaupt einen Platz bekommen habe – wo er doch gerade erst dem kirchlichen Kindergarten gekündigt habe.

„Oh-ohhh, unser Eichstätt“

Und beim Refrain des gleichnamigen Liedes sang dann auch der Saal mit: „Oh-ohhh, unser Eichstätt“. Ganz neue Töne also aus der Oberpfalz, die nach ihrem Auftritt auch die lautstark geforderte Zugabe spielten – auch hier mit einem Schuss Bockbierfest-Tradition. Denn die Ideen hatten die Musiker, die für ihren humorigen Auftritt viele Lacher und großen Applaus ernteten, von Adalbert Lina erhalten. Auch im zehntem Starkbierfest steckte also ein wenig „Lina“ – nicht zuletzt, weil auch wie schon im Vorjahr sein Sohn Dirk die Veranstaltung gekonnt moderierte.

„Radio Eberswang“ sendet live: Die „Gopperer X“ bei ihrem Auftritt.

Nach dem „Trump’schen Krach-Aufrtitt“ waren zum Schluss noch weitere Stammgäste der letzten Jahre dabei: Die „Gopperer X“ hatten diesmal eine ganze Sendung von „Radio Eberswang“ dabei – mit Klassikern wie dem „Gopperer-Lied“, aber auch zahlreichen neuen Stücken, die sie auf Radio-Klassiker wie Bill Haleys „See You Later, Alligator“ – passend zum gleichnamigen Getränk des Abends – gedichtet hatten. Rainhard Fendrichs Hit „Macho Macho“ wurde als Hommage an den Eichstätter Oberbürgermeister um ein „Grienberg-acho“ ergänzt – ebenso die Hommage an den langsamsten Fluss Deutschlands: „Altmühl, braune Brea (Brühe). Plätscherst so dahea. Manchmal bist auch grea. Altmühl, braune Brea“. Der Eichstätter Stadtrat gehe inzwischen zum Teil so liebevoll miteinander um, dass darauf auch der „Relax“-Klassiker „Weil i di mog“ umgedichtet werden konnte. Und ein wenig nostalgische Klänge über die gute alte Zeit waren natürlich auch dabei: „Unser Amazon war analog und hieß Quelle-Katalog“.

Gaudi für einen guten Zweck: Beim großen Finale gab es viel Applaus für die ehrenamtlichen Spaßmacher und ihre Spenden an gemeinnützige Einrichtungen.

Und so durfte nach mehr als vier Stunden Gaudi in Überlänge eine letzter großer Applaus für die vielen beteiligten Ehrenamtlichen nicht fehlen. Der Erlös des Starkbierfestes geht wie bisher auch an gute Zwecke, die sie selbst ausgewählt haben: Unter anderem an die Malteser-Aktion Herzenswunsch, die Jugendfeuerwehr Eichstätt, das THW, die Jugendstadtkapelle, einen Theraterverein, die Aktion „Nachbar in Not“ oder das Caritas-Kinderdorf Marienstein. Am Ende konnten die Gäste an den beiden Abenden im mit jeweils rund 300 Gästen gut gefüllten Festsaal des Alten Stadttheaters sich – inmitten all des geopolitischen Chaos – noch einmal freuen und gemeinsam mit dem süffigen Getränk des Tages mit dem tierischen Namen anstoßen – in dem Saal, wo der Kellner auch genau so heißt.

Bildergalerie:

Abschied mit Aiwanger: Lina-Bockbierfest-Ära endet launig

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